Problematik der traditionellen Vollkostenrechnungen
Im Folgenden werde ich die Problematik der traditionellen Vollkostenrechnung ansprechen. Ziel ist es, die möglichen Schwachstellen
kennenzulernen.
Generell beruhen die Vollkostenrechnungen auf den Daten der Vergangenheit.
Man steuert einen LKW, indem man ständig in den Rückspiegel
schaut und überprüft, ob man noch auf der Straße ist. Ähnlich verhält
es sich mit dem Vergangenheitsbezug der Vollkostenrechnung. Aktuelle
Trends oder gar zukünftige Veränderungen werden in der
traditionellen Vollkostenrechnung nicht aufgegriffen.
Ein weiteres Problem tritt mit der Kostensystematisierung und -abgrenzung
auf. Mit Hilfe des Betriebsabrechnungsbogens (BAB) werden die Kosten
systematisierung und voneinander abgegrenzt. Dies ist allerdings
nicht in jedem Fall eindeutig möglich.
Des weiteren tritt ein Problem bei der Kostenartenerfassung auf.
Dabei unterscheidet man die Probleme bei der Mengenkomponente und
der Wertkomponente.
Bei der Mengenkomponente fällt die Periodisierung
mancher Kosten schwer, die sich über zwei Perioden hinweg erstrecken.
Es können sich auch Unterschiede aufgrund der Erfassungsverfahren
ergeben. Die Theorien des Leistungsbezugs werden auch nicht aufgegriffen.
Bei der Wertkomponente gibt es verschiedene Bewertungsmöglichkeiten.
Daraus entstehen Bewertungsabweichungen. Es ist z.B. die Frage, ob
man ein Gut nicht nach dem Anschaffungswert, sondern eher nach dem
Wiederbeschaffungswert bewertet, da die Substanzerhaltung das Hauptziel
ist.
Schaut man sich den Entstehungsprozeß der traditionellen Vollkostenrechnungen weiter an, so ist die Zuordnung von Kosten auf Kostenstellen nicht
eindeutig. Bei den Kostenstellen gibt es nicht eindeutige Einteilungskriterien
und daraus entstehende Abgrenzungsprobleme. Als Beispiel kann man
hier die Kostenstellengemeinkosten nennen.
Bei dem Betriebsabrechnungsbogen stellt die innerbetriebliche Verrechnung
von Kosten zwischen den Kostenstellen eine weitere Schwachstelle
dar. Wir werden dies am Beispiel des Umlageverfahrens ansprechen.
Dabei tritt als erstes Problem die Wahl des richtigen Schlüssels
auf. Der Umlageschlüssel wird immer Vergangenheitsbezogen sein und
stellt immer eine starke Vereinfachung der Realität dar. Zudem werden
meist nur eine bzw. wenige (plausible) Einflußgrößen berücksichtigt.
Ein weiteres Problem bei der innerbetrieblichen Verrechung ist die
Nichtberücksichtigung wechselseitiger innerbetrieblicher Leistungsbeziehungen.
Diese kann nur strickt linearisiert werden, da man sonst Zyklen in
der Berechnung hätte und nie ein Ende in der Berechnung finden würde.
Die innerbetriebliche Verrechnung schränkt außerdem in hohem Maße
die Möglichkeit der Kostenkontrolle ein. Es besteht keine Möglichkeit
der Ursachenisolierung zur Ursachenbestimmung.
Bei dem Übergang von der Kostenstellen- zur Kostenträgerrechnung
muß man beachten, dass die Kostenstellen-Einzelkosten nicht gleich
den Kostenträger-Einzelkosten entsprechen.
Im Folgenden möchte ich auf die Kostenträgerrechnung und
Zuschlagskalkulation eingehen. Dabei gibt es verschiedene Tücken
und Fallen.
Man braucht ein geeignetes Kalkulationsschema.
Außerdem muß die Zurechnung vonKostenträger-Gemeinkosten auf die
Kostenträger bzw. Leistungseinheiten realitätsnah erfolgen.
So gibt es auch Probleme bei dem Prinzip der Zuschlagssätze.
Diese sind wie jeder Verteilungschlüssel vergangenheitsorientiert
und müssen nicht zwangsläufig der zukünfitgen Lage
entsprechen. Außerdem sind sie auf den Gesamtbetrieb bezogen und
nicht auf den Kostenträger. Wie auch bei dem Umlageschlüssel werden
nur wenige Einflußgrößen berücksichtigt. Desweiteren werden Prämissen
der Proportionalität in Bezug auf Einzelkosten und sonstige Zuschlagsgrundlagen
gesetzt.
Für die praktische Anwendung ergeben sich somit folgende Probleme.
Es
besteht die Gefahr des Herauskalkulierens aus dem Markt sowie sonstiger
produktions- und sortimentspolitischer Fehlentscheidungen.
Bleiben die Fixkosten fix und sinkt die Beschäftigung, so steigen
automatisch die maschinenabhängigen Kosten, wodurch die kalkulatorischen
Kosten steigen. So müßte man auf Basis dieser Kalkulation die Preise
für die Erzeugnisse anheben und wird noch weniger wettbewerbsfähig.
Die
Vollkostenrechnung liefert keine Erkenntnisse in Bezug auf eine mögliche
Preisuntergrenze. Welche Kosten fallen an, wenn ich diesen
Zusatzauftrag annehme? Lohnt es sich für mich? Dies wird nicht beantwortet.
Die
Kostenstruktur kann bei einer mehrstufigen Produktion verfälscht
werden.
Somit kann auch die Erfolgsermittlung verfälscht werden.
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